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 Über Namen des Karwendelgebietes

Jagd

Von dem fürstlichen Jagdwesen, – Unwesen, möchte man lieber sagen, das uns alte Jagdbeschreibungen auch von der Gebirgsjagd berichten, den "Windhatzen", dem Zutodehetzen des Wildes mit Windhunden und dem "Ausfällen" des in die Enge getriebenen Wildes aus den "Stellwänden", unübersteiglichen Wänden, mit Hilfe langer Lanzen ist außer dem Namen "Stellwand" keine Erinnerung mehr geblieben. Heute treibt der Karwendeljäger mit seinem treuen Hund, oder einem Gefährten seine "Rigel", d.h. er rigelt das Wild auf, bringt es zum Gehen, Flüchten (Rigelkar) oder er paßt ihm vor an der "Fürleg" (= Jagdanstand, dazu "Hohe Fürleg"!). Die "Warte" (Hohe Warte) bezeichnet ebenfalls einen solchen Ort zum Ausspähen (= altdeutsch "warten"), die Richtstände sind dagegen ein hergerichteter Jagdstand, so, wie das Hahngericht den Anstand auf den Auer- oder Spielhahn darstellt.

In vielen Namen lebt die Pfalzzeit des Hahnes anschaulich fort, das Pfalzen oder Falzen wird gegendweise auch mit dem einfachen Ausdruck "Spielen" bezeichnet, der dem Spielhahn ja den Namen verschafft hat. Die Spieliß (Spielißjoch) wird man sich deshalb auch am besten als einen Pfalzplatz der Hähne erklären (Spielistjoch ist eine Verunstaltung) – "Spielen" wird freilich auch für die Begattung der Säugetiere, des Weideviehs, gesagt.

Dem Schwarz- und Rotwild lauert der Jäger am besten dort auf, wo es zu Wasser geht, wo es suhlt, oder in anderer sprachlicher Fassung, "solt". Daher bedeuten Namen wie Bärenbad oder Persol, heute Persal im Zillertal das nämliche. Die Solen-Alm und der Solstein haben von einem solchen "sol" den Namen bekommen, zur gleichen Gattung gehören die "Hirschbad", "Wildbad" u.ä. Nach einer bemerkenswerten Stelle im Gejaidbuch des Kaisers Max vor 1500 gab es damals für das Wild schon richtige Schongebiete, die man "Freiung" nannte, wo die Gemsen "iren Valcz haben und sich meren mugen", d.h. ungestört ihrer Begattung obliegen und sich vermehren konnten; eine solche Freiung ist sicher das Felsgebiet des hinteren Schloßbaches (Freiungtürme) gewesen.

Wieder in die Welt des "Federspielers" (Falkenjägers) gehört der Name der "Falken" bei Hinterriß, es kommt häufig im Gebirge vor, daß man hohe Felsgipfel, die die Horste von Raubvögeln waren, einfach "am Falken", "am Geier" (letzteres für "Geiersberg" bei Salurn üblich) benannte. An die häufigen Waldbrände des wasserarmen Gebiets erinnern "Brentenkopf" (Brandjoch), Brunstkopf, an die Trockenheit des Bodens "Durstkopf" ("Durst" = trockene Stelle), und der Flurname "Durrach" = "Menge von verdorrten Bäumen".


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Letzte Aktualisierung am 20. März 2011

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